Schattenmale von Sabrina Milazzo

3.5/5

❀ Hierbei handelt es sich um ein Rezensionsexemplar ❀

AUTOR: Sabrina Milazzo
VERLAG: BoD
GENRE: Young Adult, Romantasy
ERSTERSCHEINUNG: E-Book 18.01.20 Taschenbuch voraussichtlich 30.01.20
ISBN: 9783750423459
SEITENZAHL: 238 (E-Book) 340 (Taschenbuch)
PREIS: kostenlos bei Kindle Unlimited, ansonsten 2,99€ für Kindle

❧ Zusammenfassung:

„Weiß wurde zu schwarz, was mich in Sicherheit wog, zerfiel zu Staub und die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwammen vor meinen Augen. (S. 6)“

“Die sechzehnjährige Lia, eine stolze Íasi mit lebensbringenden Fähigkeiten, möchte nichts mit den lebensraubenden Kräften der Siyí zu tun haben, denen ihr Vater einst zum Opfer gefallen ist. Seitdem folgt sie blind dem Hass ihrer Mutter und träumt davon, einmal in ihre Fußstapfen zu treten.
Im Rahmen eines Schulprojekts bekommt sie jedoch ausgerechnet den dubiosen Eli, einen Siyí, zur Seite gestellt. Am liebsten würde sie sich von ihm fernhalten, denn er verkörpert alles, was sie zutiefst verabscheut und fürchtet. Doch Lia muss sich ihren Vorurteilen stellen und merkt bald, dass die Grenzen von Gut und Böse nicht so eindeutig definiert sind wie sie dachte.” (Klappentext zum Buch “Schattenmale” von Sabrina Milazzo)

❧ Meine Meinung:

Das Cover ist schlicht, aber dennoch sehr wirkungsvoll. Die Anordnung des Titels ist sehr ungewöhnlich, aber sticht gerade deshalb für mich aus der Masse hervor. Der Titel hat mich sofort neugierig gemacht, weil ich mir darunter Alles und Nichts vorstellen konnte. Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich sagen, dass das Cover den Inhalt wirklich gut widerspiegelt. 
Das weiße Blatt steht für mich für die lebensbringenden Kräfte der Íasi und das schwarze Blatt für die lebensraubenden Fähigkeiten der Siyí. Die Farben des Covers sind in weiß, schwarz und grau gehalten. Für mich stehen die Farben für die Vorurteile, die zwischen den Íasi und Siyí bestehen. 
Die Kapitelzirden des Buchs sind besonders schön und passen auch inhaltlich dazu. Jedes Kapitel ziert ein halber Rahmen aus Pflanzen. Wenn ihr euch das mal anschauen möchtet, dann klickt hier. 🙂

Das Buch kann dem Genre Young Adult und Romantasy zugeordnet werden. Die Protagonisten sind 16 und 18 Jahre alt. Es werden typische Young Adult Themen behandelt, wie Probleme mit den Eltern und Hürden des Erwachsenwerdens, aber auch die erste große Liebe und der Umgang mit Gefühlen. Dabei sind diese Themen in ein Fantasy-Umfeld eingebettet, was das Ganze noch spannender und ein bisschen magischer macht. 

Die Protagonistin ist Lia Lockwood. Sie ist 16 Jahre alt und Tochter einer der angesehensten Familien der Íasi. Sie ist davon überzeugt, dass die Siyí nur Schlechtes im Herzen tragen und ihre Kraft keinen positiven Sinn hat. Die Siyí haben für sie nur lebensraubende Fähigkeiten, was Lia als eine Widerwärtigkeit der Natur betrachtet. 
Sie als Íasi ist eine Heilerin und besitzt lebensbringende Kräfte. Die Íasi verbringen ihr Leben damit, anderen Menschen zu helfen und Positives in die Welt hinauszutragen. Dies beschränkt sich allerdings nur auf Menschen und andere Mitglieder der Íasi. 

Lia war für mich als Hauptfigur interessant, aber anstrengend. Ihre Art empfand ich zu Beginn des Buches als sehr schwierig, weil sie so voller Vorurteile ist und mich das ziemlich genervt hat. Erst durch Eli fängt sie an nachzudenken und ihre Erfahrungen zu reflektieren und lässt sich nicht mehr durch ihr Umfeld komplett beeinflussen und fremd bestimmen.Bevor sie Eli kennen lernt ist sie, genau wie ihre Mutter, sehr auf den Schein und ihre Wirkung nach Außen bedacht. Während der Geschichte erlebt man gemeinsam mit Lia eine Wandlung, was es für mich sehr viel erträglicher machte, da ich mir sehr gewünscht hab, dass sie mal selbst nachdenkt 😉 

Er kam, brachte mich in ein weiteres Gefühlschaos und ließ mich anschließend allein im Sturm zurück. Doch es war mein Sturm, nicht Elis. Er hatte jedes Recht zu gehen. (S. 78)“

Der männliche Protagonist heißt Eli Ekwall und ist 18 Jahre alt. Er besucht, genau wie Lia, das Lowcastle Institut, ist aber bereits im zweiten Jahr seiner Ausbildung. 
Wie bei Lia, war auch der Start mit Eli etwas schwieriger. Er ist am Anfang eher abweisend, manchmal herablassend und auch unnahbar. Er scheint ein Problem mit Lia zu haben, aber man erfährt zunächst nicht warum. Mit der Zeit wird Eli immer herzlicher und ich habe schnell gemerkt, was für ein gutes Herz er hat. Er springt über seinen Schatten und geht als Vorbild voran, indem er den ersten Schritt macht, obwohl Lia etwas widerspenstig ist. :p

Die Geschichte wird durchgängig aus Lias Sicht erzählt. Eingeleitet wird jedes Kapitel mit einer dazu passenden Überschrift, die ich als sehr gelungen empfand. 
Dabei sind die Ausführungen der Kapitel oftmals sehr bildlich. Sabrina arbeitet mit vielen Metaphern und Vergleichen, was es mir als Leser sehr leicht macht mir alles vorzustellen, weil ich sofort ein Bild vor Augen hatte. Gegen Ende des Buches wurden mir die bildliche Sprache teilweise etwas zu viel, was die Monologe von Lia manchmal etwas schnulzig rüberkommen lies. 

Im Ganzen betrachtet würde ich das Buch eher als sanft beschreiben. Für mich war es zwar spannend und auch echt interessant, weil die Idee einfach mal was ganz anderes ist, aber ich würde es jetzt nicht als Spannungskanone bezeichnen. 
Trotzdem gab es ein paar Stellen gegen Ende, die mich überrascht haben und bei denen ich das Buch auch nicht weglegen konnte. Besonders betonen möchte ich hierbei die wunderschönen Beschreibungen der Szenen zwischen Lia und Eli im Treibhaus. Ich hab wirklich Gänsehaut und Herzklopfen bekommen, weil die Atmosphäre so magisch und die Spannung in der Luft zum Greifen nah war!

An sich fand ich die Erzählung auch sehr schlüssig und verständlich, aber drei Punkte haben mich dann doch etwas gestört: 
1. das Ende, weil ich damit nicht gerechnet habe. Für mich war es nicht ganz nachzuvollziehen, da die Figur zuvor immer als sehr beherrscht und als Meister darin beschrieben wurde seine Gefühle zu unterdrücken um das Gesicht zu wahren. Irgendwie kann ich es nachvollziehen, aber andererseits auch nicht. 
2. die Gefühle zwischen Eli und Lia bahnen sich zwar an, aber an einer Stelle war es für mich dann doch etwas zu plötzlich, weil es komplett von Hass in große Liebe umschwingt, wie ein fließender Übergang. Ich konnte es nicht so richtig nachempfinden, weil ich mehr Ausführungen, mehr Szenen, mehr Herantasten gebraucht hätte. Vielleicht will ich auch einfach nur mehr Liebesszenen 😉 
3. die Aufklärung über den Tod des Vaters. Das hat mir absolut gefehlt. Für mich war das die ganze Geschichte über ein großes Fass, was aufgemacht aber nie richtig ausgeführt wurde. Ich glaube, dass hier noch viel Potenzial für weitere Erzählungen läge, aber das wurde leider nicht genutzt. Die einfache Erklärung, dass es ein Siyí war hat mir nicht gereicht. 

Der Fantasyteil hat mich auf jeden Fall überzeugt! Da es ja quasi wie unsere Welt nur mit Íasi und Siyí ist, hatte ich keine Probleme mir dies vorzustellen. Auch die jeweiligen Kräfte konnte ich mir durch die Beschreibungen gut vorstellen und manchmal wünschte ich mir auch heilende Kräfte 🙂 

Als Zielgruppe würde ich Jugendliche ab 14 Jahren benennen. Es behandelt, wie bereits erwähnt, viele typische Themen für Young Adult und Liebesszenen sind sehr harmlos. Manches wird angedeutet, aber nicht weiter beschrieben, sodass es sich eben auch für jüngere Leser eignet.

❧ Mein Fazit:

Als Fazit bleibt für mich festzuhalten, dass es wirklich ein gutes Buch war. Sabrina kann mein Herz immer wieder erwärmen und schneller schlagen lassen. 
Mich hat das Buch zum Nachdenken angeregt, weil man natürlich auch die Diskriminierung zwischen den Íasi und den Siyí in unsere Welt übertragen kann. Über das Thema sollte jeder mal nachdenken, weshalb ich es gut finde, dass es im Buch so offen und direkt behandelt wird und Lia sich bewusst ist, wie absurd das Ganze ist. 
Ich kann das Buch absolut weiterempfehlen, wenn du in eine Welt eintauchen möchtest, die nicht immer Schwarz oder Weiß, sondern in den meisten Fällen eine Mischung aus verschiedenen Grautönen ist. Wenn du einer neuen Idee eine Chance geben möchtest und dich fallen lassen willst. 

„Nun jedoch schienen sich diese Schattenmale auf meiner Seele auszubreiten. Eingebrannt waren sie bereits. Das fühlte ich. Doch ich hatte geglaubt, sie eindämmen zu können, um ihnen nicht noch mehr Macht zu verleihen. Aber seit dieser Nacht wuchs sie stetig an. (S. 66)“